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Junge Union in der Psychiatrie

Junge Union trifft Leiter der Psychiatrie und informiert sich über die Versorgungslage im Kreis, Burn-out-Diagnostik, ADHS bei Kindern und Möglichkeiten zur Selbstmordprävention.

Vergangenen Mittwoch traf sich die Junge Union Kirchheim im Rahmen der Arbeitsgruppe Gesundheit mit Prof. Dr. Christian Jacob, dem Leiter der Psychiatrie in Nürtingen. Dieser freute sich über das Interesse und gab der Gruppe Einblick in seine tägliche Arbeit. „Ich dachte nicht, dass sich 12.000 Menschen jährlich das Leben nehmen und Depression zu der am weitesten verbreiteten globalen Belastung durch Krankheiten („global burden of disease“) zählt“, gibt das Vorstandsmitglied Rico Hann zu. Der Chefarzt erläuterte, dass der Standort in Nürtingen im Januar 2017 komplett nach Kirchheim verlegt wird und dort am 22. Januar auch der Tag der Offenen Tür stattfinden wird. „Für die 500.000 Einwohner des Landkreises sind die 204 geplanten Betten jedoch noch zu wenig“, erklärte Dr. Jacob, „da künftig die Zahl der psychischen Erkrankungen aufgrund der höheren Belastungen im Alltag wohl noch deutlich zunehmen wird.“ Der akute Ärztemangel ist ein Problem vieler Kliniken.

Ju Kirchheim Psychiatrie Nürtingen
Die Arbeitsgruppe Gesundheit der JU Kirchheim besichtigt die Psychiatrie in Nürtingen.

Dr. Jacob beschrieb auch, dass es sich beim derzeit viel diskutierten Burn-out-Syndrom um ein Konstrukt handele, da es hierfür keine standardisierten diagnostischen Kriterien gebe. Er machte darauf aufmerksam, dass das Bewusstsein in der Gesellschaft geschaffen werden müsse, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens psychisch krank werden könnte und das eine psychische Behandlung daher etwas Normales sei. „Wenn ein Oberbürgermeister die psychiatrische Behandlung seines Mitarbeiters als ebenso normal wie eine Blinddarmoperation ansieht, dann haben wir es geschafft“, resümierte der Nürtinger Chefarzt.

Die JU-ler informierten sich weiterhin über die Gefahren von Cannabis. „In Holland konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass durch den Konsum von THC die Erkrankung an Schizophrenie zugenommen hat“, verdeutlichte Dr. Jacob. „Wir sind daher weiterhin gegen die Legalisierung von Cannabis in Deutschland“, meint das JU-Vorstandsmitglied Katrin Schulz.

JU Kirchheim Dr. Jacob Psychiatrie
Die Arbeitsgruppe Gesundheit mit Dr. Christian Jacob, Leiter der Psychiatrie in Nürtingen.

Dr. Jacob erläuterte außerdem, dass ADHS genauso wie eine bipolare Erkrankung zu 80 % genetisch bedingt sei und oftmals instrumentalisiert wird, wenn beispielsweise ein Kind in seiner kognitiven Entwicklung noch nicht so weit oder nicht so intelligent ist wie die Eltern es gerne hätten. Das häufig verschriebene Ritalin kann bei AHDS zwar hilfreich sein, jedoch führt der Konsum bei gesunden Menschen nicht dauerhaft zu einer Leistungssteigerung. Dr. Jacob erläuterte der Gruppe, dass sich das Gehirn bis zum Alter von 25 Jahren entwickelt und dann die Neurogeneration einsetzt. Vor Demenz könne man sich durch Sport, Nichtrauchen und gesunde Ernährung schützen.

Als abschließenden Wunsch erläuterte der Nürtinger Chefarzt, dass sich der Landkreis dem Bündnis gegen Depression anschließen könnte und damit einige präventive Maßnahmen getroffen werden können. „In einer großen Klinik in Baden-Würtemberg wurde beispielsweise ein Zaun an der ICE-Trasse angebracht und die Suizidrate ging signifikant zurück“, so Jacob. Als besonders gefährdet gelten Männer ab 60 Jahre. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Landkreis Esslingen diesem Bündnis beitritt“, schließt die Kirchheimer Stadträtin Natalie Pfau-Weller ab.

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